Roald Dahl - Matilda
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Roald Dahl - Matilda краткое содержание
Matilda ist ein Wunderkind, verständig und blitzgescheit. Ihr Verstand ist so hell und scharf, daß er selbst den beschränktesten Eltern auffallen müßte. Aber Herr und Frau Wurmwald sind dermaßen unterbelichtet und oberflächlich, daß sie nicht imstande sind, das Außergewöhnliche an ihrer Tochter zu entdecken.
In der Schule geht es Matilda nicht besser. Sie langweilt sich und gilt als Nervensäge.
Für die Schmach in Schule und Elternhaus sinnt die kluge Kleine auf Rache. Sie entdeckt, daß sie übersinnliche Kräfte hat, und macht von ihnen Gebrauch. So siegt schließlich der Geist über Macht und Gewalt, die Liebe über List und Betrug, das Kind über die Erwachsenen.
Ein schönes Märchen – ein typischer Dahl: makaber und böse, witzig und phantasievoll.
Deutsch von Sybil Gräfin Schönfeldt
Mit Bildern von Quentin Blake
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«Nur so rumhängen und fernsehen.»
«Aha.»
«Es ist ihr eigentlich egal, was ich tue», setzte Matilda etwas betrübt hinzu.
Frau Phelps machte sich immer Sorgen, wie Matilda heil und sicher durch die ziemlich verkehrsreiche Hauptstraße und über die große Kreuzung nach Hause kam, aber sie beschloß, sich nicht einzumischen.
Innerhalb einer Woche hatte Matilda «Große Erwartungen» ausgelesen, ein Buch, das in dieser Ausgabe vierhundertelf Seiten hatte. «Das hat mir gut gefallen», sagte sie zu Frau Phelps, «hat Herr Dickens noch andere Bücher geschrieben?»
«Ziemlich viele», antwortete die verblüffte Frau Phelps, «soll ich dir noch eins raussuchen?»
Im Lauf der nächsten sechs Monate las Matilda, stets aufmerksam und liebevoll von Frau Phelps beobachtet, die folgenden Bücher:
«Nicholas Nickleby» von Charles Dickens
«Oliver Twist» von Charles Dickens
«Jane Eyre» von Charlotte Bronte
«Stolz und Vorurteil» von Jane Austen
«Eine reine Frau – Tess von D’Urbervilles» von Thomas Hardy
«Kim» von Rudyard Kipling
«Der Unsichtbare» von H. G. Wells
«Der alte Mann und das Meer» von Ernest Hemingway
«Schall und Wahn» von William Faulkner
«Die Früchte des Zorns» von John Steinbeck
«Die guten Gefährten» von J. B. Priestley
«Am Abgrund des Lebens» von Graham Greene
«Farm der Tiere» von George Orwell
Das war eine stattliche Liste, und unterdessen platzte Frau Phelps fast vor Staunen und Aufregung, und es war vermutlich nur gut, daß sie sich nicht gestattete, vollkommen den Kopf zu verlieren. Fast jeder andere, der die Fortschritte dieses kleinen Kindes verfolgt hätte, wäre der Versuchung erlegen und hätte einen ungeheuren Wirbel veranstaltet und das Wunder in der ganzen Stadt heraustrompetet. Nicht so Frau Phelps. Sie gehörte zu den Menschen, die sich nur um die eigenen Angelegenheiten kümmern, und sie hatte schon längst entdeckt, daß es sich nicht auszahlte, wenn man sich bei anderer Leute Kindern einmischte.

«Herr Hemingway schreibt vieles, was ich nicht verstehe», sagte Matilda zu ihr, «besonders über Männer und Frauen. Aber es hat mir trotzdem gefallen. So wie er es erzählt, hab ich das Gefühl, ich wäre dabei und schaute zu, wie alles passiert.»
«Dieses Gefühl wird dir ein guter Schriftsteller immer vermitteln», entgegnete Frau Phelps, «und kümmere dich nicht um die Kleinigkeiten, die du nicht verstehen kannst. Lehn dich einfach zurück und laß dich von den Wörtern umspielen wie von Musik.»
«Ja, das will ich tun.»

«Hast du gewußt», fuhr Frau Phelps fort, «daß du dir in öffentlichen Büchereien so wie dieser hier Bücher ausleihen und mit nach Hause nehmen kannst?»
«Das hab ich nicht gewußt», entgegnete Matilda, «dürfte ich das auch machen?»
«Natürlich», sagte Frau Phelps, «wenn du deine Wahl getroffen hast, brauchst du mir das Buch nur zu bringen, dann schreib ich’s auf, und es gehört dir für zwei Wochen. Wenn du willst, kannst du dir auch mehr als eins ausleihen.»
Von da an tauchte Matilda nur einmal in der Woche in der Stadtbücherei auf, um sich neue Bücher zu holen und die ausgelesenen zurückzubringen. Ihr eigenes kleines Schlafzimmer verwandelte sich nun in ein Lesezimmer, und dort saß sie an den meisten Nachmittagen und las, wobei oft ein Becher mit heißer Schokolade neben ihr stand. Sie war noch nicht groß genug, um an alles in der Küche heranzukommen, aber sie bewahrte sich im Schuppen eine kleine Kiste auf, die sie dann hereinschleppte, um daraufzuklettern und sich das zu holen, worauf sie Lust hatte. Am liebsten machte sie sich Schokolade, indem sie Milch in ein Töpfchen goß und auf dem Herd erhitzte, bevor sie sie mit dem Pulver verrührte. Sie nahm meistens Bovril oder Ovaltine. Es war gemütlich, einen heißen Schluck mit hinauf in ihr Zimmer zu nehmen und neben sich zu haben, wenn sie nachmittags in der stillen Stube im leeren Hause saß und las. Die Bücher führten sie in neue Welten und machten sie mit erstaunlichen Menschen bekannt, die ein aufregendes Leben führten. Sie stach mit Joseph Conrad auf altmodischen Segelschiffen in See. Sie folgte Ernest Hemingway nach Afrika und Rudyard Kipling nach Indien. Sie reiste durch die ganze Welt, während sie in ihrem kleinen Zimmer in einem englischen Städtchen saß.

Matildas Eltern besaßen ein recht hübsches Haus mit drei Schlafzimmern im ersten Stock, während es unten ein Eßzimmer und ein Wohnzimmer und eine Küche gab. Ihr Vater war Gebrauchtwagenhändler, und sein Geschäft schien ganz gut zu gehen.
«Sägemehl», pflegte er stolz zu sagen, «das ist eins der großen Geheimnisse meines Erfolgs. Und es kostet mich gar nichts. Ich krieg’s gratis aus der Tischlerei.»
«Wozu brauchst du das denn?» fragte ihn Matilda.
«Ha!» sagte der Vater. «Das möchste wohl gerne wissen.»
«Ich kann mir nicht vorstellen, wie dir Sägemehl beim Autoverkaufen helfen kann, Vati.»
«Weil du eine dumme kleine Meckerziege bist», antwortete ihr der Vater. Er war in seiner Wortwahl nie sehr zimperlich, aber daran war Matilda gewöhnt. Sie wußte auch, daß er gern angab, und damit zog sie ihn hemmungslos auf.
«Du mußt wirklich schrecklich klug sein, daß du sogar Sachen verwenden kannst, die nichts kosten», sagte sie. «Ich wünschte, das könnte ich auch.»
«Könnste nie», antwortete der Vater, «du bist zu blöd dazu. Aber dem jungen Mike hier, dem könnt ich was erzählen, da hätte ich gar nichts gegen. Eines Tages wird er mich ja sowieso im Geschäft unterstützen.» Er tat also, als ob Matilda Luft wäre, wandte sich an seinen Sohn und dozierte: «Ich bin jedesmal froh, wenn ich einen Wagen erwische, wo so ‘n Vollidiot die Gänge ins Getriebe geknallt hat, daß es ganz ausgeleiert ist und klappert wie verrückt. Die Karre krieg ich billig. Und dann brauch ich nur das Schmieröl tüchtig mit Sägemehl zu vermixen, und schon schnurrt die Kiste wie ein Kater.»
«Und wie lange läuft sie, bis sie wieder anfängt zu klappern?»
«Gerade so lange, daß mir der Käufer weit genug von der Hucke ist», sagte der Vater und grinste, «so ungefähr hundert Kilometer.»
«Aber das ist unehrlich, Vati», sagte Matilda, «das ist Betrug.»
«Mit Ehrlichkeit ist noch keiner reich geworden», entgegnete der Vater. «Kunden sind dazu da, daß man sie über den Löffel halbiert.»
Herr Wurmwald war ein kleiner Kerl, der wie eine Ratte aussah und Raffzähne unter seinem dünnen rattenhaarigen Schnurrbart hatte. Er bevorzugte großkarierte Jacketts in schreienden Farben und hatte eine Leidenschaft für Krawatten in Gelb oder Blaßgrün. «Und dann zum Beispiel der Kilometerzähler», fuhr er fort. «Jeder der einen Gebrauchtwagen kauft, will zuerst wissen, wieviel Kilometer er auf dem Buckel hat. Stimmt’s?»
«Stimmt», sagte der Sohn.
«Ich kaufe also eine alte Rostlaube, die ungefähr hundertfünfzigtausend auf dem Buckel hat. Die krieg ich billig. Aber mit so einem Kilometerstand kauft sie mir keiner ab, oder? Und heutzutage kann man den Kilometerzähler leider nicht mehr wie vor zehn Jahren einfach ausbauen und an den Zahlen rumfummeln. Die stehen sturmfest wie Eichen, hat gar keinen Sinn, damit die Zeit zu vertrödeln, außer du bist so ‘n verflixter Uhrmacher oder so was Ähnliches. Also, was kann ich da machen? Ich benutz meinen Hirnkasten, mein Junge, das ist es.»
«Wie?» fragte der junge Michael gespannt.
Er schien die väterliche Vorliebe für krumme Dinger geerbt zu haben.
«Ich setz mich hin und frage mich, wie kann ich einen Kilometerstand von einhundertfünfzigtausend so in nur zehntausend verwandeln, ohne daß ich den Zähler auseinandernehmen muß? Also, wenn ich den Wagen lange genug rückwärts laufen ließe, dann müßt es wohl klappen, liegt doch klar auf der Hand, nich? Aber wer würde denn so eine verdammte Karre tausend und aber tausend Kilometer rückwärts fahren? Das geht doch gar nicht.»
«Nee, das geht nicht», stimmte der junge Michael zu.
«Also hab ich mich am Kopf gekratzt», fuhr der Vater fort, «und hab meinen Hirnkasten angestrengt. Wenn einem so ein schlauer Kopf gegeben ist, wie ich ihn hab, dann muß man ihn auch nutzen. Und plötzlich hab ich die Antwort gehabt. Ich kann dir sagen, ich hab mich genauso gefühlt, wie sich dieser andere schlaue Kerl gefühlt haben muß, als er das Penicillin entdeckt hat. Eureka! hab ich geschrien. Ich hab’s!»
«Und was hast du gemacht, Vati?» fragte ihn der Sohn.
«Der Kilometerzähler», erklärte Herr Wurmwald, «hängt an einem Kabel, das mit einem der Vorderräder verbunden ist. Ich hab deshalb als erstes das Kabel da abgeklemmt, wo es am Vorderrad sitzt. Als nächstes hab ich mir eine von diesen Bohrmaschinen besorgt, und dann hab ich das Kabel so an den Bohrer angeschlossen, daß es rückwärts läuft, wenn sich der Bohrer dreht. Kapiert? Kannste mir soweit folgen?»
«Ja, Vati», antwortete der junge Michael.
«Diese Bohrmaschinen laufen ja mit enormer Geschwindigkeit», sagte der Vater. «Wenn ich den Bohrer also anschalte, dann rasen die Zahlen wie wahnsinnig zurück. Mit meiner Superbohrmaschine hau ich dir fünfzigtausend Kilometer im Handumdrehen weg. Und am Ende hat die Karre nur zehntausend drauf und ist fix und fertig für den Verkauf. Sie ist so gut wie neu, sag ich dem Kunden, keine zehntausend gelaufen. Hat einer alten Dame gehört, die damit nur einmal in der Woche zum Einkaufen gefahren ist.»
«Kannst du den Kilometerstand wirklich mit einer Bohrmaschine zurückdrehen?» fragte der junge Michael.
«Ich verrate dir Geschäftsgeheimnisse», antwortete der Vater. «Laß dir nur ja nicht einfallen, mit wem anders drüber zu reden. Du willst mich doch nicht ins Kittchen bringen, oder?»
«Keiner Seele werd ich davon erzählen», sagte der Junge. «Haste das mit vielen Wagen gemacht, Vati?»
«Jeder einzelnen Karre, die durch meine Hände geht, verpaß ich die Behandlung», erwiderte der Vater, «Eh sie zum Verkauf angeboten werden, frisier ich ihnen den Kilometerstand auf unter zehn. Wenn ich nur daran denke, daß ich das ganz allein erfunden habe!» setzte er stolz hinzu «Es hat mich steinreich gemacht.»

Matilda, die genau zugehört hatte, sagte: «Aber Vati, das ist ja sogar noch unehrlicher als das mit dem Sägemehl. Es ist gemein. Du betrügst Leute, die dir vertrauen.»
«Wenn’s dir nicht paßt, brauchst du in diesem Hause nichts mehr zu essen», sagte der Vater, «alles ist von dem Profit gekauft.»
«Von schmutzigem Geld», sagte Matilda, «widerlich.»
Auf den Wangen des Vaters tauchten zwei rote Flecken auf. «Verflucht noch mal, was bildest du dir denn ein, wer du bist», schrie er, «der Erzbischof von Canterbury vielleicht, der mir ‘ne Predigt über Ehrlichkeit hält? Du bist nichts als ein dummes kleines Fräulein Naseweis, und du hast keinen Schatten einer Ahnung, wovon du redest!»
«Vollkommen richtig, Harry», sagte die Mutter und zu Matilda: «Sei nicht so frech zu deinem Vater. Und jetzt klapp deinen vorlauten Mund zu, damit wir in Ruhe fernsehen können.»
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